Trauma des Kopfes

In den letzten Jahren ist das Kopftrauma immer mehr in den Fokus der Notfallmedizin im Sport gerückt. Nicht zuletzt den Bildern der Fußballweltmeisterschaft 2014 in Brasilien ist es zu "verdanken", dass es mittlerweile im Fußball eine 3 Minuten-Behandlungspause auf dem Spielfeld gibt, die der Mannschaftsarzt einfordern kann bei Kopftrauma. Damit wurde der Erhebung des neurologischen Status nach Kopftrauma  eine erhebliche Bedeutung eingeräumt und dem Mannschaftsarzt der Rücken gestärkt auch sinnvolle und ggf. ungeliebte Entscheidungen zum Wohle des Patienten zu tätigen.

 

Zur Beurteilung der Patientensituation gilt das Folgende zu erheben:

  • Was ist genau passiert? Wogegen oder mit was ist der Sportler zusammengestoßen?
  • Vorsichtige und ggf. achsengerechte Untersuchung der traumatisierten Region am Kopf oder Halswirbelsäule, Wirbelsäule (ggf. zu erweitern je nach Verletzungsmuster)
  • Bestand eine Bewußtlosigkeit?
  • Wie ist der Glasgow coma scale (GCS) zu Beginn und nach drei Minuten?
  • Pupillendifferenz? Pupillenreaktion?
  • Irgendeine neurologische Symptomatik? Übelkeit, Kopfschmerz, Schwindel, Nystagmus, Augenpendelbewegungen, Augendeviationen, Hör- oder Sehbeeinträchtigung, Taubheitsgefühle, Sensibilitätsstörungen, Seitendifferenzen, Gang- oder Standunsicherheit, epileptischer Anfall?
  • Der sog. Maddocks Score, mit Sport relevanten Fragen zur Orientierung des Sportlers (siehe SCAT 3-Bogen)
  • Bestehen nach 3 Minuten weiterhin Beschwerden?
  • Welche Traumata gab es im Vorfeld des Ereignisses? Summation der Verletzungen/Traumata?
  • Welche Vorerkrankungen bestehen?
  • Welche Medikamente nimmt der Sportler ein?

 

Sollte der Sportler bewußtlos gewesen sein nach dem Kopftrauma, gilt generell die Empfehlung den Sportler aus dem Geschehen/vom Platz zu nehmen. Die Entscheidung darüber sollte beim Arzt liegen und nicht beim Sportler oder Trainer.

 

Ein Sportler, der einmal wegen eines Kopftraumas aus dem Sport genommen worden ist, sollte nicht am gleichen Tag wieder Sport betreiben, sondern sich Ruhe und Schonung gönnen.

 

Im weiteren sollte der Sportler zunächst alle 10 Minuten evaluiert werden, nach den Vorgaben des Sport Concussion Assessment Tool Version 3 (SCAT 3-Bogen). Der SCAT 3-Bogen ist für Sportler ab 13 Jahre gedacht und nur für professionelle Anwender konzipiert. Federführend bei der Entwicklung war der Weltfußballverband FIFA.

Bei der Entscheidung, wann ein Sportler wieder am "geliebten" Sport teilhaben kann (Return to play), sollten die Empfehlungen des schrittweise Zurückkehrens in die sportliche Belastung im "SCAT 3-Bogen" ebenso beitragen.

 

An dieser Stelle sei insbesondere auf das hohe Chronifizierungsrisiko von Kopfschmerzen nach Hirntrauma hingewiesen (Artikel Deutsches Ärzteblatt, 2018). Das Ziel der Therapie ist es, dass der Sportler keinerlei Beschwerden nach dem Schädel-Hirn-Trauma aufweist in Ruhe und unter Belastung (Symptomfreiheit). Symptome sind erst zu nehmen und sollten zu einer Belastungsreduktion führen. 

 

Die Versorgung des Kopftraumas kann sehr unterschiedlich sein:

  • Kühlung einer Prellmarke
  • Offene Platzwunde fachgerecht (erst)versorgen: Blutung stoppen, Wunde inspizieren und fachgerecht versorgen (z. B. Steristripes, 'tackern', nähen), steril abdecken, wegen Infektionsgefahr Blut entfernen und evtl. bei weiterem sportlichen Einsatz ein neues Trikot anziehen
  • Aus dem Sport nehmen
  • Immobilisierung:
    • Stiffneck anlegen, bis zum Ausschluss einer Halswirbelsäulenverletzung
    • Immobilisierung der gesamten Wirbelsäule auf dem Spineboard

 

Je nach Verlauf können weitere diagnostische Massnahmen erforderlich sein, wie Krankenhauseinweisung zur Computertomografie oder Röntgen etc..

 

  • Bei anhaltender Bewußtlosigkeit:
    • Notruf absetzen und
    • offen halten der Atemwege etc. (Stichwort: ABCDE-Schema), Mund inspizieren nach Hindernissen (Zunge zurückgefallen?)
    • ggf. Sauerstoffgabe, Bebeutelung, ggf. Wendel- oder Guedeltubus anwenden
  • Bei Verdacht auf keine Atmung, kein tastbarer Puls: 
    • sofortiger Beginn mit der Herzdruckmassage und Beatmung 30:2
    • AED-anschließen und Analyse des Herzrhythmus, ggf. falls empfohlen Schock abgeben, Procedere wiederholen bis Notarzt/Rettungsteam eintreffen
  • Je nach weiterem Zeitverlauf und dem Eintreffen des Rettungsteams mit Notarzt:
    • i.v. Zugang legen
    • ggf. Medikation entsprechend der medizinischen Situation
    • Blutzuckerbestimmung
    • Pulsoxymetrie verwenden
    • Blutdruckmanschette anlegen
    • falls vorhanden evtl. EKG anlegen (mindestens 4-polig)
    • Erweiterung der Massnahmen auf Ganzkörper Body-Check ohne Manipulation von Schädel und Wirbelsäule
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